Test und Vergleich: ND-Filter von Rollei, Dolder und Rangers

In diesem Beitrag stelle ich Euch die Grau- bzw. ND-Schraubfilter von Rollei Premium vor, vergleiche diese mit meinen älteren und wesentlich billigeren Filtern von Dolder und dem variablen Filter von Rangers. Außerdem zeige ich Euch kurz worauf Ihr beim Kauf und Einsatz eines Grau-/ND-Filters achten solltet.

Doch bevor wir zum Test kommen – für was braucht man eigentlich einen Graufilter bzw. ND-Filter?

Der Graufilter ist für mich der wichtigste Filter in der Fotografie. Ein Graufilter ist wie eine Sonnenbrille für die Kamera und macht im Grunde nichts anderes, als das einfallende Licht durch die abgedunkelte Oberfläche des Filters zu reduzieren. Damit können Langzeitbelichtungen auch am Tag durchgeführt werden. So sind dann auch bei Sonnenschein Belichtungszeiten von mehreren Sekunden möglich – bei Bewölkung oder in der Dämmerung sogar Belichtungszeiten von mehreren Minuten. Durch solch lange Belichtungszeiten, kann man mit Graufiltern erreichen, dass belebte Plätze oder Straßen von bewegten Objekten „geleert“ werden. Graufilter kann man aber auch für so tolle Effekte wie zum Beispiel das Weichzeichnen von Bewegungen verwenden. So kann man mit einem Graufilter die Wolken im Himmel weicher darstellen oder Wasserbewegungen glätten.

7 Punkte worauf sollte man bei der Auswahl eines Graufilters achten?

1. Filtersystem

Zuerst müsst ihr Euch für ein Filtersystem entscheiden. Graufilter sind als Schraub- oder Steckfilter erhältlich. Bei Steckfiltersystemen wird eine Halterung auf das Objektiv geschraubt in die dann die entsprechenden Filterplatten eingeschoben werden. Diese haben aber oft das Problem, dass am Filtereinschub oder -halter durch winzig kleine Schlitze Licht eindringen und eine Langzeitbelichtung unbrauchbar machen kann. Bei Grauverlaufsfiltern hat dieses System wiederum große Vorteile, da man den Verlauf in dem Stecksystem so hin- und herschieben kann bis er zur Bildkomposition passet. Aber eine solchen Verlauf löse ich in der Entwicklungssoftware wie Lightroom bzw. Camera Raw. Ich ziehe daher Schraubfilter vor. Übrigens kann man bei beiden Systemen Filter miteinander kombinieren.

2. Feste oder variable Graufilter?

Graufilter mit festem Verlängerungsfaktor gibt es in verschiedenen Stärken, die den Belichtungsfaktor x-mal erhöhen. Leider führt die unterschiedliche Bezeichnung der Hersteller immer wieder zu Verwirrungen. Ein ND-Filter = NeutralDichteFilter wird in Werten in 0,3er-Schritten für 2 Stufen angegeben, also 0,3/ 0,6/ 0,9/1,2/etc. D. h. ND 0,3 erhöht den Verlängerungsfaktor um 2 Stufen, 0,6 um 4 Stufen (2 x 2=4) 1,2 dann um 16 Stufen ( 2x2x2x2=16) u.s.w.
Der Einfachheit halber benennen viele Hersteller ihre Filter aber gleich nach dem Verlängerungsfaktor – also ND2, ND8, ND64, ND1000 usw. – auch wenn es heißen müsste ND1.8 (x64) oder ND 3.0 (x1000). Darum werde auch ich die im Handel gängige Bezeichnung im weiteren Artikel verwenden.
Um für den Anfang gut gerüstet zu sein, empfehle ich Euch einen Grund-Set wie ich in mir auch gekauft habe mit Filtern ND8, ND64 und ND1000. Preisgünstige aber nicht billige Bundles an Rundfiltern gibt es zum Beispiel von Haida, Gobe oder auch Dolder. Leider zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels noch nicht von Rollei, diese muss man einzeln kaufen.
Variable Graufilter (ND-Filter) gehen meist von ND2 bis ND400 und haben den Vorteil, mehrere Graufilter in einem zu vereinen. Man muss also bei einem variablen Graufilter ND2-400, mit 2 – 8 Blendenstufen, nur einen Filter mitnehmen. Auch Zwischenwerte die es erst gar nicht als feste Graufilter gibt, lassen sich damit verwirklichen. Ist doch Klasse, warum also sollte man sich dann noch feste Filter kaufen? Leider haben variable Filter je nach Preis auch mehr oder weniger starke Nachteile gegenüber festen ND-Filtern.
Der Preis – je nach Qualität kann so ein Filter schon mal mit 300,- Euro zu Buche schlagen. Es gibt natürlich billigere Varianten, doch hier muss man bedenken, dass diese die Bildqualität der besten Kamera komplett zu nicht machen können.
Die Schärfe der Bildqualität – je nach Filter-Qualität kann die Schärfe der Bilder extrem nachlassen, vor allem in den höheren ND-Stufen
Störungen in der Bildqualität – billigere Filter neigen schon früher zu Cross- oder Zebramustern im Bild oder sie bilden starke Lensflares ab.
Vignettierung – je nach Filter-Qualität kann es zu mehr oder weniger starken Randabschattungen kommen.
Für was sind die variablen ND-Filter dann gut? Variable Graufilter sind für Videofilmer super geeignet, um auch bei Sonnenschein mit offener Blende filmen zu können. Da beim Filmen meist eine feste Belichtungszeiten ( 1/50sec) genommen wird, stehen dann natürlich auch nur wenige Blenden zur Verfügung. Das lässt sich mit einem variablen ND-Filter umgehen. Außerdem kann man bei sich stark verändernden Lichtverhältnissen schnell nachregeln kann. Ausführliche Infos dazu hat Mike Suminski hier in seinem Video erklärt.

3. Farbneutralität

Kein Grauverlaufsfilter ist wirklich farbneutral, doch gibt es hier dennoch große Unterschiede. Der Farbstich durch die IR-Strahlung lässt sich zum Teil in der Nachbearbeitung korrigieren. Aber bei stärkeren ND Filtern, wie der ND1000 Filter, leidet die Bildqualität. Darum sollte der meist rote Farbstich schon in der Aufnahme möglichst gering sein.

4. Homogenität

Nur eine gleichmäßige und farbneutrale Grauschicht erzeugt einen hochwertigen Effekt. Besonders anfällig für Störungen wie etwa das Zebramuster sind hier variable ND-Filter.

5. Vergütung

Eine qualitativ hochwertige Vergütung, meist Mehrfachbeschichtungen, verhindern wirkungsvoll Streulicht oder Bildartefakte.

6. Qualität

Die Qualität bei der Verarbeitung der Fassung vor allem bei Schraubfiltern – Eine hochwertige Fassung mit einem präzise gefrästen Gewinde verhindert ein „Festfressen“ des Filters am Objektivgewinde. Bei Slim-Fassungen sollte man auch darauf achten, nicht zu fest zu drücken, denn sonst verwinden die Filterrahmen sich und man kriegt den Graufilter nicht mehr runter.

7. Und zu guter Letzt – die richtige Größe.

Hier sollte man sich für den größten Filterdurchmesser seiner vorhanden Objektiven entscheiden und dann StepUp Ringe für die kleineren Objektive kaufen. Am besten wäre natürlich ein 82mm Filter, aber das sind die Teuersten. Durch den Kauf des größten benötigten Rundfilters müsst Ihr den Filtersatz nur einmal kaufen. Bei den StepUp/StepDown-Ringen rate ich Euch von diesen 7 teiligen Adapterringe-Sets ab, da diese gestakt oft zu Randabschattungen führen. Nehmt lieber passende Adapterringe zum Objektiv, z. B. 58-to-77mm, oder 67-to-82mm, etc.)

 

Der Test der Premium Graufilter mit Aluminium-Fassung von Rollei

Die Auswahl

Nachdem ich keine ausführlichen Tests zu den neuen Rollei ND-Schraubfiltern gefunden habe, hab ich mich entschlossen selbst mal ein Produktreview zu verfassen. Entschuldigt also bitte wenn nicht alles so perfekt wurde.
Ich hatte in letzter Zeit mit rechteckigen Grau- und Verlaufsfiltern von Zomei experimentiert. Die Qualität war trotz Kunststoffgläser, aber nach intensiver Nachbearbeitung, brauchbar. Das Set (4xND-Filter, Grauverlaufsfilter und Halterung) hatte knapp 100 Euro gekostet, was für den Einstieg in Ordnung war. Aber mir war das ganze System einfach zu sperrig und umständlich in der Handhabung.
Also suchte ich wieder nach Schraubfiltern, denn die passen problemlos in meinen Fotorucksack oder auch mal in die Hosentasche, sind schneller montiert und weniger empfindlich als die sperrigen Rechteckfilter. Zu teuer sollten sie auch nicht sein, aber auch keine Billigware. Denn auch wenn ich die Filter nicht so oft brauche, so sollten diese bei Bedarf dann doch ordentliche Fotos ermöglichen.
So schwankte ich letztendlich zwischen Haida, Gobe und Rollei. Ich hatte vor zwei Jahren schon einmal die „alten“ Fotofilter von Rollei, ein Set mit NN6/ND64 und ND1000 Graufiltern und den Aufbewahrungsdosen. Mit den Bildern war ich eigentlich sehr zufrieden, also bestellte ich mir kurzerhand direkt bei ROLLEI die gleichen Filterstärken einzeln, da es leider bis heute kein gleichwertiges Set wie damals gibt. Wer so etwas möchte muss zu HAIDA oder GOBE gehen. Die Lieferung erfolgte sehr schnell und ordentlich verpackt. Ein Gutschein für einen weiteren Kauf in Onlineshop lag auch bei.
Wollen sie mir damit etwa den Kauf meines Favorisierten Rollei Compact Traveler No. 1 Carbon Stativ noch schmackhafter machen?

Die Verarbeitung

Bestellt habe ich mir also drei Schraubfilter in den Stufen ND8 ND64 und ND 1000 mit einem Durchmesser von 77mm.
Und das hier sind nun die runden Graufilter von Rollei in der einfacheren Premium Ausführung, die sich laut Rollei zu den teureren Extremium Filtern nur in der Fassung unterscheiden. Die Extremiumversion hat einen temperaturresistenten und robusteren Titanring anstatt des Aluminiumrings der Premiumversion. Alle Graufilter verfügen aber über eine hochwertige Neutralgrau-Färbung, die Farbneutralität gewährleisten soll und sind mehrfach vergütet. Das soll für geringere Reflexionen und eine hohe Lichtdurchlässigkeit sorgen. Das Filterglas ist aus besonders robustem und witterungsbeständigem Gorilla® Glas, das wir ja schon von unseren Smartphones kennen. Damit soll es besser gegen Kratzern und Risse geschützt sein und außerdem wasser- und schmutzabweisend sein. Die Fassung selbst ist „slim“, d. h. mit nur 5mm Höhe läuft man weniger Gefahr bei Ultraweitwinkel eine Randabschattung zu erhalten.
Der Filterring ist auf den ersten Blick sauber und präzise gefertigt. Man kann die einzelnen Filter leicht auf das Objektiv auf- und wieder abschrauben. Außerdem kann man alle Graufilter auch miteinander kombinieren. Ich empfehle Euch aber maximal zwei Filter zu kombinieren, da sonst ganz schnell Verfärbungen und Unschärfe im Foto entstehen.
Da ich die einzelnen Kunststoffboxen aus Platzgründen nicht immer mit mir herumtragen wollte und sehr begeistert von den Metalldeckeln des alten Sets war, habe ich mir bei Ebay eine Metalldose (Stack Cap) für die Filter bestellt. Diese wäre übrigens bei Haida und Gobe im Set enthalten. Einen Set dieser Art bietet Rollei für seine neuen Schraubfilter noch nicht an. Vielleicht sieht es ja jemand von Rollei und nimmt die Idee auf.

Die Bilder sind bei allen drei Filtern hervorragend. Keine Vignettierung, keine oder nur minimale Farbverfälschungen und durchgehend scharfe Bilder.

Für einen Vergleich mit den Rollei Graufiltern habe ich zwei billigere Produkte mit herangezogen

Der Schraubfilter von Dolder

Der DolDer X-Pro Series Slim Neutral Graufilter ND 1000 war mein erster Graufilter den ich mir vor Jahren zu herumprobieren an meine alten Nikon D50 bestellt habe, den gibt es heute noch für knapp 20 Euro bei Amazon. Er hat ebenfalls ein nur 5mm starkes Metallgehäuse und ein optisches Glas. Mittlerweile gibt es auch einen Nachfolger, der laut Hersteller mit einer Mehrschichtvergütung verbessert wurde.

Test DolDer X-Pro

Die Testbilder zeigen bei beiden Bildern, dass der DolDer X-Pro im Bereich Schärfe keine ordentliche Leistung bringt, eine starke Vignettierung und einen Rotstich hat.
Interessant war, dass der DolDer X-Pro ND1000 wesentlich stärker abdunkelt als die Rollei ND1000. Ich würde mir den Graufilter DolDer X-Pro ND1000 nicht mehr kaufen, da er zu viele Schwächen hat. Gebrauchte Filter von Haida oder die alten Rollei bekommt man auch schon für 20 – 30 Euro und die haben wesentlich bessere Qualität.

Der variable Schraubfilter von Rangers

Den Rangers Extreme Variable ND2-400 hatte ich mir für Videoaufnahmen besorgt, um die Belichtungszeit von 1/50sec bei offener Blende zu erreichen. Das erste Exemplar das ich von Amazon bekam war völlig unbrauchbar, es hatte einen brutalen Rotstich und in allen Einstellungen eine Zebramuster. Nach Reklamation bekam ich vom Hersteller einen neuen Filter zugesandt, der zumindest diese Fehler nicht mehr aufwies. Der Preis ist mittlerweile von knapp 30 Euro auf 10 Euro gefallen, was leider auf keine allzu hohe Qualität der neueren Modelle hindeutet.

Test Rangers Variable ND-Fitler 2-400

Grundsätzlich fühlt sich der Filter wertig an. Der Rahmen ist aus Metall gefertigt und mit 5,6mm Höhe im mittleren Bereich und macht bei einem 17-50mm Objektiv erst in höheren Abdunkelungen leicht sichtbare Randabschattungen. Das Gewinde ist sauber geschnitten und verkantet auch nicht am Objektiv. Der Ring lässt sich um 360° drehen, so dass man aufpassen muss nicht über die Max/Min Markierungen zu drehen, da es sonst zu Zebra- bzw. Crossmustern kommt. Eine genaue Bezeichnung der Einstellstufen fehlt aber. Laut Produktbeschreibung wurde sogar ein mehrfach beschichtetes Schott-Glas verwendet, was beim aktuellen Preis von 10 Euro eigentlich gar nicht sein kann.
Wie die Testfotos zeigen ist die Schärfe durchgehend brauchbar ist. Bei Videoaufnahme ist das nicht ganz so dramatisch, aber für Landschaftsfotografien ist der variable Graufilter von Rangers nur für erste Gehversuche mit ND-Filtern brauchbar. Die Farbabweichungen halten sich erfreulicher Weise in Grenzen, nur eine minimale grün/blaue-Verfärbung lässt sich erkennen. Diese kann man in Lightroom/CameraRaw leicht korrigieren. Beim Filmen sollte man das gleich kameraintern über den Weißabgleich tun.
Für jemanden der mit seiner Kamera filmen will und eventuell mal günstig mit Graufiltern experimentieren will, für den ist der variable Graufilter von Rangers bei einem Preis von gerade einmal 10 Euro sicherlich brauchbar, wer aber auch richtig gute Bilder damit fotografieren möchte muss wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

Fazit des Tests

Die Rundfilter Premium von Rollei sind ihr Geld wert und ich bereue der Kauf nicht. Einzig die fehlende Metalldose vermisse ich. Der variable ND-Filter von Rangers ist mit 10 Euro preisgünstig und sein Geld wert, auch wenn die Bildqualität nicht die Beste ist, aber zum Filmen und erste Versuche mit Filtern durchaus brauchbar. Vom Dolder ND1000 aber lasst lieber die Finger weg, der enttäuscht auf ganze Linie und dient maximal als Tassenuntersetzer.

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